Beyond Video: Warum die elektroakustische Simulation der Schlüssel zum perfekten Solution Design in der AV-Medientechik ist

Geschrieben am
3.2.2026
von
Auf einen Blick
  • In vielen medientechnische Installationen wird das Thema Audio zu sehr vernachlässigt
  • Audio ist geschäftskritisch, dennoch liegt der Schwerpunkt oft auf Video
  • Audio sorgt für die echten Wow Effekte in AV-Projekten
  • Audio wird häufig untergewichtet – das sind die Gründe
  • Elektroakustische Simulation sorgt für Planungssicherheit, Investitionsschutz und Professionalität

Egal ob in modernen Arbeitswelten, repräsentativen Konferenzräumen, Brand Rooms, Veranstaltungsflächen, Hörsälen, hybrid oder on site - ein beeindruckendes 4K-Bild ist in modernen medientechnischen Anlagen heute Standard. Doch die viel größere Herausforderung in der AV-Medientechnik bleibt oft unsichtbar. Wer sich bei der Planung medientechnischer Anlagen allein auf das Auge verlässt, riskiert häufig zweitklassige Ergebnisse, teure Nachbesserungen und enttäuschte Nutzer. Erfahren Sie, warum das Thema Audio in vielen Projekten vernachlässigt wird und wie wir durch elektroakustische Simulationen akustische Herausforderungen (z.B. Glasflächen, Beton, harte Böden, usw.) im Vorhinein gut einschätzen und lösen können und die spätere Audioqualität und Sprachverständlichkeit bereits vor Baubeginn präzise simulieren und gewährleisten.

Das Bild ist der Star, der Ton der Statist – ein Kardinalsfehler medientechnischer Installationen

Wenn Kunden über neue Medientechnik in Konferenzräumen, modernen Arbeitswelten oder anderen Locations nachdenken, rückt oft schon in frühen Phasen die LED-Wall, das Display, die Kameratechnik, kurz Technologien, in deren Mittelpunkt das Bild steht, ins Zentrum der Betrachtung. Keine Frage: Ein perfektes Bild, ein großartiges Videoerlebnis ist unmittelbar greifbar und beeindruckend und ebenso wichtig für eine gelungene Installation, wie perfektes Audio. Ruckelt das Bild in einer Videokonferenz, dann ist das zwar nervig, aber man kann weiterarbeiten. Ist das Audiosignal instabil, hat es Echos, Aussetzer oder klingt völlig unnatürlich, bricht die Kommunikation sehr schnell ab oder wird sehr anstrengend und unangenehm. Stellen Sie sich vor, sie sehen ihren Gesprächspartner, können ihn aber nicht hören bzw. umgekehrt, sie können ihn hören, aber nicht sehen. Schnell wird klar – Audio ist geschäftskritisch, Video eher ein Komfortmerkmal.

Ist Audio technisch wichtiger als Video?

Das menschliche Gehirn besitzt eine enorme Fehlertoleranz beim Sehen. Wir können Informationen aus unscharfen Bildern immer noch extrahieren. Beim Hören ist das Gegenteil der Fall: Schlechtes Audio, das durch Raumhall, Echos oder Rückkopplungen durch minderwertige Mikrofone entsteht, zwingt das Gehirn zu einer massiven Rechenleistung. Wir müssen „Lücken füllen“. Das führt zur sogenannten Listener Fatigue. Zuhörer sind nach kurzer Zeit erschöpft, ermüden schneller, sind unkonzentriert. Teilnehmer an Videokonferenzen schalten innerlich ab, nicht wegen des Bildes, sondern wegen der schlechten akustischen Signalqualität.

Durch die Informationsdichte der Sprache wird sie zum Träger menschlicher Entscheidungen. Das Bild unterstützt Emotionen oder zeigt Daten, aber der Konsens wird über das gesprochene Wort erzielt. Wenn die Nuancen einer Stimme, die Betonung oder die feine Ironie nicht durch qualitativ hochwertige Audioübertragung übertragen werden, entstehen Missverständnisse oder Fehlinterpretationen die im Zweifel bares Geld kosten.

Man kann diese Situation auf alle möglichen anderen medientechnischen Anwendungen übersetzen. Wenn in einem Experience Center hochprofessionelle, perfekte Videos gezeigt werden, der Ton diese beeindruckenden Bilder emotional aber nicht unterstützt („…in den Bauch fährt …“), bleibt die beabsichtigte Botschaft auf der Strecke. Gänsehautfeeling und Wow-Effekte werden dann erreicht, wenn alle Sinne angesprochen werden.

Warum Audio in der Medientechnik häufig untergewichtet wird

Trotz dieser zentralen Bedeutung wird das Thema Audio von vielen Projektbeteiligten, unter anderem auch von Systemintegratoren medientechnischer Installationen oft stiefmütterlich behandelt.  Aus unserer Sicht gibt es dafür Erklärungen.

Die Physik der Akustik im Allgemeinen, und der Elektroakustik im Speziellen, stellt sich als wesentlich komplexer dar als die Videotechnik. Während Video weitgehend standardisiert ist, ist Audio immer und untrennbar mit der Raumakustik verbunden. Viel Glas, Parkett- oder Steinböden, Wände aus Sichtbeton sind akustisch höchst anspruchsvoll. Will man optimale Ergebnisse erzielen, ist hier eine komplexe Beratungsleistung und sehr spezielles Know-How in Bauphysik, Elektroakustik, DSP-Programmierung und, je nach Komplexität der Aufgabe, ein hoher Spezialisierungsgrad erforderlich. Diesen Spezialisierungsgrad vorzuhalten ist mit hohen Kosten verbunden, der von vielen Integratoren gescheut wird. Die Konsequenz ist allzu oft, dass mangels echtem Audioengineering häufig Standard-Settings verwendet werden, die in akustisch schwierigen Räumen oft kläglich versagen.

Hinzu kommt, dass die Art der Bestuhlung, die Personenzahl, die der Raum aufnehmen kann, Raumgeometrie, mögliche Störschallquellen, unterschiedliche Nutzungsszenarien (Multifunktionsräume) oder besonders schwierige Umgebungsbedingungen (Beispiele: Schwimmbäder, Bahnhöfe, Messehallen usw.) praktisch jedes Projekt zu einem „akustischen Unikat“ werden lässt. Neben der Expertise, die für die Erstellung von Simulationen erforderlich ist, wird eine ebensolche, nebst teurem Messequipment, für die Einmessung der installierten Anlage benötigt, um die Umsetzungsqualität mit den Simulationsergebnissen zu überprüfen und letztlich die Abnahmefähigkeit zu dokumentieren.

Letztlich muss auch der Kunde davon überzeugt sein, ein entsprechendes Budget für eine komplexe Beratungsleistung bereit zu stellen. Das erfordert seitens des Kunden eine grundsätzliche Affinität zum Thema Audio und von Integratoren, Planern und Architekten die Expertise und das Verständnis, um darzulegen und einschätzen zu können, wie entscheidend das Thema Audio zum Umsetzungserfolg beiträgt.

Planungssicherheit durch elektroakustische Simulationen

Warum scheitern viele medientechnische Projekte trotz hoher Investitionssummen an der Audiothematik? Weil oft Planer, Nutzer oder Integratoren „nach Gefühl“ agieren, statt auf Basis objektiv ermittelter Fakten. Hier setzt die elektroakustische Simulation an.

Eine herstellerunabhängige elektroakustische Simulation kann beispielsweise mit der Software EASE als eines der führenden Werkzeuge zur elektroakustischen und raumakustischen Simulation durchgeführt werden. Sie dient der realistischen Vorhersage, wie sich Schall in Räumen und bei Beschallungssystemen verhält. Dabei werden die Interaktionen zwischen Lautsprechern Raumgeometrie und der Einfluss von Oberflächenmaterialien (Glas, Beton, Holz, Teppich usw.), sowie unterschiedliche Nutzungsszenarien dargestellt. Viele Hersteller stellen mittlerweile Insellösungen für Ihre Produkte bereit. Im Sinne einer herstellerunabhängigen und v.a. lösungsorientierten Beratung empfehlen wir jedoch ein herstellerunabhängiges Tool, mit dem über alle verschiedenen Systeme und Fabrikate hinweg passgenaue Simulationen und Vorhersagen erstellt werden können.

Im Zuge der Simulation wird der Raum exakt modelliert. Besonderer Wert wird dabei auf die im Raum verwendeten Materialien gelegt und Böden, Wände und Fenster sowie deren Material und akustische Eigenschaften nachgestellt. Lautsprecher werden virtuell positioniert. Schallausbreitung, Schallpegel in unterschiedlichen Bereichen, Reflexionen, Absorptionen werden visualisiert und ggf. unterschiedlichen Szenarien gegenübergestellt, um optimale Hardware und Positionierung der Lautsprecher sicherzustellen. Darüber hinaus werden messbare Akustikkennzahlen, wie Schallpegelverteilung, Nachhallzeiten, Sprachverständlichkeit uvm. ausgewiesen, die nach Ausführung der Installation in entsprechenden Messverfahren bestätigt werden. Der Nutzer weiß bereits vor der Ausführung, welches Qualitätsniveau die Anlage später einmal haben wird und erhält mit Abnahme Messprotokolle, die die korrekte Ausführung schwarz auf weiß bestätigen. Somit wird nicht nur die Lieferung einer bestimmten Anzahl an Komponenten nachgewiesen, sondern die Realisierung einer vorher definierten Audioqualität.

Die elektroakustische Simulation ist somit Grundlage einer professionellen Audioplanung und trägt damit wesentlich zur Umsetzung einer perfekten medientechnischen Installation bei. Die Kosten dafür stehen in keinem Verhältnis zu einem Projekt, das den Nutzer nicht oder nur teilweise zufriedenstellt. Sie schützt damit bereits vor Beginn der Arbeiten die Investition des Nutzers.

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